{"id":35,"date":"2015-01-04T19:48:11","date_gmt":"2015-01-04T19:48:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/?page_id=35"},"modified":"2015-01-04T20:16:09","modified_gmt":"2015-01-04T20:16:09","slug":"infos","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/?page_id=35","title":{"rendered":"Infos"},"content":{"rendered":"<p><b>Fracking:\u00a0<\/b><b>Gefahr f\u00fcr den Gro\u00dfraum Kiel<\/b><\/p>\n<p>Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit den deutschlandweit gr\u00f6\u00dften Erd\u00f6lvorkommen. Im Gro\u00dfraum Kiel wurden Bewilligungen f\u00fcr fr\u00fchere F\u00f6rderungen neu erteilt \u2013 unter anderem f\u00fcr die Felder Preetz, Schwedeneck (beide an RWE-dea), Prasdorf sowie eine Aufsuchungserlaubnis f\u00fcr das Feld Gettorf, welches den Gro\u00dfteil der Stadt Kiel mit erfasst (beide an PRD Energy, deutsche Tochter eines fracerprobten kanadischen Konzerns). Zwar ist damit noch keine Genehmigung der eigentlichen F\u00f6rderung verbunden. Laut Auskunft der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde (LBEG) wollen die antragstellenden Unternehmen offiziell nicht fracken, doch sie nennen es lediglich anders. \u201eDiese Auskunft ist nat\u00fcrlich nicht rechtsverbindlich. Entsprechend kann sie jederzeit folgenlos zur\u00fcckgenommen werden\u201c (LBEG auf dem Hearing des Kieler Landtags am 7.8.2013).<\/p>\n<p>Das schwarze Gold ist in meist nur wenig durchl\u00e4ssigen Poren des Sandsteins in zweitausend Metern Tiefe eingeschlossen; es l\u00e4sst sich zum gr\u00f6\u00dften Teil nur durch \u201eHydaulic Fracturing\u201c erschlie\u00dfen: Indem eine \u201eFrac-Fl\u00fcssigkeit\u201c unter hohem Druck mehrere Stunden in die zuvor niedergebrachte Bohrung eingepresst wird, erfolgt die \u00d6ffnung der Poren durch Rissbildungen im Gestein. Die Frac-Fl\u00fcssigkeit besteht aus mehreren Millionen Litern Wasser pro Bohrung mitsamt St\u00fctzmitteln (z.B. Quarzsand) und verschiedenen \u201eAdditiven\u201c \u2013 teils Krebs erregenden chemischen Zus\u00e4tzen. Von vier Bohrungen pro Quadratkilometer ist zurzeit die Rede.<\/p>\n<p>Die Hauptgefahr liegt in der m\u00f6glichen Kontamination des Trinkwassers. Oberirdisch kann die Frac-Fl\u00fcssigkeit beim Anliefern, Mischen und Einpressen ins Bohrloch sowie beim Aufnehmen und Abtransportieren nach dem R\u00fccksp\u00fclen ins Erdreich au\u00dfer Kontrolle geraten. Im Erdinnern kann die Frac-Fl\u00fcssigkeit durch St\u00f6rf\u00e4lle unmittelbar ins Grundwasser gelangen, z.B. bei Leckagen der unterirdischen Rohrleitungen oder wenn die giftigen Substanzen mittel- oder langfristig ins Grundwasser gelangen. Dank der geologischen Eigenarten des Untergrunds ist dieses Risiko in Kiel und Umgebung \u00fcberdurchschnittlich gro\u00df. Die ungew\u00f6hnlich hohe Anzahl von Krebsf\u00e4llen und seltenen Bluterkrankungen rund um die Erdgas-F\u00f6rderanlagen im Raum Rotenburg, aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft des \u00d6lfeldes Warnsdorf im Kreis Pl\u00f6n beunruhigen die dortigen Anwohner.<\/p>\n<p>Weitere Risiken entstehen aus der R\u00fcckf\u00fchrung der Frac-Fl\u00fcssigkeit, die mit Schwermetallen und den \u201enat\u00fcrlichen\u201c radioaktiven Stoffen angereichert sein kann (\u201eFlowback\u201c), sowie durch deren Weitertransport zur \u201eEntsorgung\u201c mittels Transportfahrzeugen oder Pipelines (1). Au\u00dferdem traten in Niedersachsen bisher bereits frac-bedingte Erdbeben bis zur St\u00e4rke von 4,5 auf der Richterskala auf \u2013 mit Rissen an H\u00e4usern noch in 100 Kilometern Entfernung.<\/p>\n<p>Nebenbei: Umweltminister Dr. Habeck will lediglich \u201etoxisches Fracking\u201c verbieten \u2013 \u201enichttoxisches Fracking\u201c w\u00e4re damit erlaubt. Abgesehen davon, dass ein Beweis der von Exxon und weiteren Konzernen angek\u00fcndigten Perspektive des \u201egiftfreien Frackings\u201c bislang nicht erbracht wurde und entsprechend unausgereifte Festlegungen nicht verantwortbar w\u00e4ren, w\u00e4re auch dann nur ein Teil der Probleme gel\u00f6st \u2013 die Forderung nach vollst\u00e4ndigem Frac-Verbot halten wir aufrecht.<\/p>\n<p>Der Flowback muss aufbereitet und entsorgt werden. Herk\u00f6mmliche Kl\u00e4ranlagen sind bei weitem \u00fcberfordert. Zwar lassen sich die im Flowback enthaltenen Schwermetalle, Aromate und radioaktiven Stoffe wie z.B. Strontium in teuren Verfahren herausfiltern. Unklar ist weiterhin deren sichere Entsorgung ebenso wie die Kl\u00e4rung der Frage, wohin mit den Millionen Litern Restfl\u00fcssigkeit. Das Hauptrisiko besteht in der dauerhaften Kontamination des Grundwassers durch den hohen Salzgehalt des Flowback. Dass sich die hydrogeologische Struktur grundlegend \u00e4ndert und weite Landstriche durch Fracking austrocknen, sei nur am Rande erw\u00e4hnt. Aufgrund solch negativer Erfahrungen wurden in einer zunehmenden Zahl von US-Staaten bereits vollst\u00e4ndige Frac-Verbote erlassen \u2013 auch in Frankreich und Bulgarien.<\/p>\n<p>Das Bundesberggesetz (BBergG) enth\u00e4lt sicherheitstechnische Vorschriften entsprechend den allgemeinen bergbaulichen Gef\u00e4hrdungen, jedoch keine besonderen Regelungen, welche den deutlich h\u00f6heren Risiken des Frackings gen\u00fcgen. Aus den soeben umrissenen ungekl\u00e4rten Problemen speist sich die Forderung nach sofortigem und vollst\u00e4ndigem Frac-Verbot auch in der BR Deutschland.<\/p>\n<p>\u00a7 55 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BBergG verlangt lediglich Ma\u00dfnahmen entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Sicherheitstechnik. Demnach reicht die Anwendung derjenigen Ma\u00dfnahmen aus, die der herrschenden Auffassung in der Sicherheitstechnik entsprechen, von deren Richtigkeit die Mehrheit der Fachleute, die sie anzuwenden haben, \u00fcberzeugt ist \u2013 und das sind \u00fcberwiegend Angestellte der Bergbau treibenden Konzerne.<\/p>\n<p><b>Ist Fracking beherrschbar? \u2013 Zum 2. Teil der Fracking-Studie des Umweltbundesamts<\/b><\/p>\n<p>Ende Februar (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) stellte die neue Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Zweiten Teil der Fracking-Studie des UBA offiziell vor. Schon bei der inoffiziellen Vorstellung im Januar jubelten die Erd\u00f6l- und Erdgaskonzerne: Fracking sei beherrschbar, der Schutz der Umwelt gew\u00e4hrleistet; die hohen technischen Standards reichten aus, der Trinkwasserschutz sei gew\u00e4hrleistet und Ersch\u00fctterungen durch Fracking auf der Oberfl\u00e4che nicht wahrnehmbar. Es sei an der Zeit, brachliegende Frac-Genehmigungen zu erteilen (Dr. Gernot Kalkoffen, Vorsitzender des Wirtschaftsverbands Erd\u00f6l- und Erdgasgewinnung e.V.).<\/p>\n<p>Schon in seiner ersten Stellungnahme verwies der Bundesverband B\u00fcrgerinitiativen Umweltschutz (BBU) auf gravierende Schw\u00e4chen der Studie: So fehle der Nachweis, dass das geplante Monitoring-Konzept ein umfassendes Bild potenzieller Schadstofffreisetzungen ergeben k\u00f6nne. Hinzu komme, dass die geplanten Messmethoden ungeeignet seien. Zu begr\u00fc\u00dfen sei zwar eine Verpflichtung zur Offenlegung der eingesetzten Chemikalien, doch sei der Umfang der notwendig anzugebenden Daten zu eng gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Besonders kritikw\u00fcrdig an der Studie sei die Verpressung des Flowback in den Boden. An ihr festzuhalten, widerspreche jeder Anforderung an die geordnete Entsorgung von Abf\u00e4llen. Bei der Darlegung der Erdbebengefahren seien stattgefundene Ereignisse in Niedersachsen offensichtlich ausgeklammert worden. Zwar werde die l\u00e4ngst f\u00e4llige Einf\u00fchrung einer Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung (UVP) und einer Strategischen Umweltpr\u00fcfung (SUP) empfohlen; weil diese jedoch \u00fcber das Fachrecht nicht hinausreichen, bleiben sie folgenlos. Auch das Wasserrecht betreffende Feststellungen gingen \u00fcber die Fachspezifik des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) nicht hinaus (2).<\/p>\n<p><b>Habecks rechtswidrige Claim-Genehmigungen k\u00f6nnten Schleswig-Holstein Milliarden kosten<\/b><\/p>\n<p>In einem Offenen Brief der Aktionsgemeinschaft \u201eStoppt Fracking im Gro\u00dfraum Kiel \u2013 f\u00fcr eine postfossile Zukunft!\u201c an Umweltminister Dr. Habeck, der ihm am 3. Februar \u00fcbergeben wurde, hei\u00dft es: \u201eDass Fracking mit besonderen Risiken behaftet ist, steht au\u00dfer Frage. &gt;In dem Moment aber, in dem besondere Risiken deutlich werden, gilt nicht das Normalverfahren, sondern dann muss man schon vorher detaillierter pr\u00fcfen&lt;.<\/p>\n<p>Laut Bundesverwaltungsgerichtsbeschluss vom 15.10.1998, aus dem Sie ebenfalls zitieren (und den Antifrack-Initiativen eine verk\u00fcrzte Sicht unterstellen), will der Gesetzgeber &gt;verhindern, dass Bergbauberechtigungen verliehen werden, die nicht die Erwartung rechtfertigen, jemals ausge\u00fcbt werden zu k\u00f6nnen. \u00a7 11 Nr. 10 BBergG steht in einem sachlichen Zusammenhang mit den Vorschriften, die die eigentliche Bergbaut\u00e4tigkeit unter einen Zulassungsvorbehalt stellen&lt;. Wenn \u2013 wie bislang in Ihrem Ministerium fortlaufend geschehen \u2013 bergrechtliche Konzessionen erteilt werden, ohne deren m\u00f6gliche Auswirkungen zu pr\u00fcfen, kommt dies einer Vorentscheidung gleich: Es wird dann sp\u00e4ter kaum noch m\u00f6glich sein, Frack-Vorhaben im Betriebsplanverfahren abzulehnen, alleine schon aus Gr\u00fcnden des Investitionsschutzes \u2013 es k\u00e4men horrende Forderungen auf das Land Schleswig-Holstein zu. (Dieses Problem d\u00fcrfte sich mit einem m\u00f6glichen Inkrafttreten des geplanten Freihandels- bzw. Investitionsschutzabkommens zwischen USA\/Kanada einer- und dem EU-Raum andrerseits sp\u00fcrbar versch\u00e4rfen.) Solche Nachforderungen h\u00e4tten Sie zu vertreten, Herr Dr. Habeck!\u201c (3)<\/p>\n<p>(haj\u00fc)<\/p>\n<p><b>Fu\u00dfnoten:<\/b><\/p>\n<p>(1) Der Gro\u00dfteil dieser Argumente entstammt einem Rechtsgutachten eines von Exxon finanzierten \u201eneutralen Expertenkreises\u201c: http:\/\/www.uni-kassel.de\/upress\/online\/frei\/978-3-86219-350-9.volltext.frei.pdf<\/p>\n<p>(2) http:\/\/www.gegen-gasbohren.de\/2014\/01\/24\/anti-fracking-bewegung-kritisiert-fracking-gutachtenentwurf\/<\/p>\n<p>(3) http:\/\/ploenzeile.de\/2014\/02\/18\/offener-brief-an-umweltminister-dr-habeck\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fracking:\u00a0Gefahr f\u00fcr den Gro\u00dfraum Kiel Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit den deutschlandweit gr\u00f6\u00dften Erd\u00f6lvorkommen. Im Gro\u00dfraum Kiel wurden Bewilligungen f\u00fcr fr\u00fchere F\u00f6rderungen neu erteilt \u2013 unter anderem f\u00fcr die Felder Preetz, Schwedeneck (beide an RWE-dea), Prasdorf sowie eine Aufsuchungserlaubnis f\u00fcr das Feld Gettorf, welches den Gro\u00dfteil der Stadt Kiel mit erfasst (beide an PRD Energy, <a href='http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/?page_id=35' class='excerpt-more'>[&#8230;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-35","page","type-page","status-publish","hentry","post-seq-1","post-parity-odd","meta-position-corners","fix"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/35","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/35\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66,"href":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/35\/revisions\/66"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.stop-fracking-kiel.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}